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Archiv für Februar 2009

„Schürt der Zentralrat der Juden den Antisemitismus in Deutschland?“

„Denk ich an die Normailtät hier könn‘t ich Kotzen!…“

So ergeht es zumindest den kritischen Leser_innen der „Hannover Zeitung“. In einem vom 31.Januar 2009 geschriebenen Artikel heißt es:

Es stimmt, das der Holocaust ein Teil der deutschen Geschichte ist und ja, es war ein Verbrechen! Aber dieses Verbrechen wurde vor 60 Jahren begangen und es ist langsam an der Zeit den Toten ihre Ruhe zu gönnen. Das andauernd „Wiederaufleben“ lassen der Erinnerung in einer Form, die eine „Generalschuld“ eines ganzes Volkes bis in die 3, 4, 5 Generation indizieren soll, ist der Sache sicher nicht dienlich. Frau Knobloch sollte sich einmal Fragen, ob sie mit ihren Äußerungen nicht einem neuen Antisemitismus Nahrung gibt.

Aber das war natürlich noch nicht alles. Weiter heißt es in der „Hannover Zeitung“:

Der in Deutschland aufkeimende Antisemitismus basiert zum größten Teil auf Vorurteilen, die entstehen weil sich einige, wenige Persönlichkeiten immer wieder ins Rampenlicht spielen müssen. In einer heute durchgeführten Blitzumfrage bei 147 zufällig ausgewählten Passanten gaben 139 an, das sie kein Mitglied der jüdsichen Gemeinde kennen würden, 6 sagten, das sie glauben ein Mitschüler wäre Jude gewesen, waren sich aber nicht sicher. Zwei gaben an das sie jüdische Arbeitskollegen hätten, waren sich aber auch nicht ganz sicher.

Das sollte uns doch klar vor Augen führen, in Deutschland keine es keine Basis für einen fundierten Antisemitismus, einfach weil die wenigsten Einwohner positive oder negative Erfahrungen in ihrem persönlichen Umfeld machen konnten. Die Vorurteile gegenüber den Juden in Deutschland basieren auf den Aussagen, die von führenden Mitgliedern der jüdischen Gemeinde in der Öffentlichkeit gemacht werden.

Aha. Soll also heißen, dass wenn mensch keine_n Juden/Jüdin persönlich kennt, dass er/sie dann auch nicht antisemitisch sein kann. Und die Jüdische Gemeinde seie doch selber Schuld an den ganzen Voruteilen gegenüber Juden/Jüdinnen…

Um allen noch die Krone aufzusetzen ein weiterer Absatz:

Es ist traurig aber zu verstehen, das die Überlebenden des Holocaust nicht vergeben können. Trotzdem wäre es manchmal angebracht, wenn sie darüber Nachdenken ob sie mit ihren Aussagen dem Gedenken an dieses Verbrechen dienlich sind. Sicherlich handelt Frau Knobloch nur in der besten Absicht, aber es müsste ihr doch auffallen, das sie mit ihren permanten, kritischen Aussagen einen neuen Antisemitismus heraufbeschwört.

Manchmal ist ein Geste des Vergebens besser um das Andenken an die Geschichte zu erhalten.

Wem um what-tha-hells-name soll denn bitte vergeben werden? Und natürlich wird auch hier wieder erwähnt, dass die Juden/Jüdinnen selber Schuld seien am Antisemitismus.

Das war dann auch schon die offizielle Version des Textes, wie ihr ihn hier nachlesen könnt. Offiziell, weil dieser Artikel einen letzten Absatz nicht beinhaltet, welcher vor ein paar Wochen dort noch zu lesen war. Auf Altermedia, wo der Artikel natürlich viel Zuspruch erhält, gibt es ihn doch noch.

…Stellen sie sich einmal vor das wir uns den ganzen Tag überlegt haben, ob wir diesen Bericht schreiben können, oder ob wir damit in eine antisemitistische Ecke gedrückt werden, in der wir uns als Journalisten nicht sehen. Und das obwohl wir in einem Land leben in dem schon mit Blick auf die Geschichte jeder das Recht haben sollte, seine Meinung frei zu sagen.

Wie weit die freie Meinungsäußerung mit Blick auf die Geschichte bei den Journalist_innen der „Hannover Zeitung“ allerdings geht scheint mehr als fragwürdig.

Das Dresden-Wochenende

Welch ein Wochenende. Gehen wir doch mal durch, wie es so war, damit mensch sich

a) ärgern kann, was er/sie verpasst hat
b) freuen kann, dass er/sie nicht da war
c) ärgern kann, dass er/sie nicht da war.

Freitag
Wir kamen am Freitagabend an, feierten ein wenig mit Frittenbude. Erstaunlicherweise, so ganz und garnicht zum Ambiente
einer „antideutschen“ Kundgebung passend, wurden wir sofort ob diverser entpackter Israelfahnen angekackt, es entstand sogar eine kleine Schlägerei, welche jedoch recht schnell von anderen Teilnehmer_innen der Kundgebung unterbunden wurde.
Jemand aus unserer Gruppe bat Torsun, welcher sich nicht unbedingt im klarsten Sinneszustand befand, sich bei seinem Auftritt dementsprechend zu äußern. Er tat es.

Wer hier also Träger von Fahnen der Alliierten angreift, der hat etwas nicht verstanden. Das war praktischer Antifaschismus. Bomber Harris war praktischer Antifaschismus.

Nach 3-4 Liedern mit extremster Feierei des Publikums stellten Egotronic dann fest, dass die Kundgebung noch immer nicht geräumt war. Torsun, dezent alkoholisiert, machte also total auf Aggro – nichts half.
Also wurde weitergefeiert. Die kleinen grünen Männchen und Fräuchen wollten auch dazugehören, waren dann auch dicht – und wie sie da so kuschelten und niemand aus diesem Kessel seinen Weg ins Bettchen bahnen durfte, erklärte uns eine Beamtin dann im charmanten sächsischen Dialekt, dass Team Brown mit ca 400 Leuten ihr eigenes Süppchen koche. Deeskalationspolitik. Gegen 22 Uhr jedenfalls begann eine – für unseren Geschmack zu leise – Spontandemonstration Richtung Bahnhof.

Egotronic

Samstag
Wie sich das gehört, erstmal ausschlafen. Gegen 12 schritt mensch also zum Albertplatz, um sich dann auf den Weg zu machen, zu demonstrieren. Mit Parolen wie „Wir tragen Gucci, wir tragen Prada – Tod der Intifada“ wurde eindeutig der hedonistische Standpunkt der antideutschen Szene aus ganz Deutschland zur Schau getragen. Wir partizipierten also. Auch der Bundesarbeitskreis Shalom war da.

Als die Demo im späteren Verlauf an einem McDonalds vorbeizog, hatte mensch als israel/usa-solidarischer Mensch keinerlei Probleme, die Demo auf eine Portion Pommes zu verlassen, wohingegen manche Teilnehmer_innen ihre Kapitalismuskritik noch ein wenig überdenken sollten.

Bis dahin lief alles einigermaßen friedlich. Es gab einige Reibereien, mensch hatte seinen Spaß mit der grünen Front, die richtigen Krawalle begannen am Abend.
--
Was machten da eigentlich dieVoll(ks)trottel? Nun, die hatten sich auch versammelt. Um zu gedenken. Naja. Was soll mensch über so einen Trauermarsch, der relativ ungehindert von statten ging groß schreiben? Ein herer Haufen heulenden Hirnschisses. Der seinen Müll aber auf die Straße tragen konnten.

Bis auf einige kleine Zwischenfälle wussten die Grünen und Blauen nämlich eine Eskalation zu vermeiden, nur der/die ein oder andere Demonstrant_in wurde zum/zur Stiefellecker/in umfunktioniert.

von unten

Nach neuesten Erkenntnissen darf die Hundertschfat aus Bayern nun wohl auf 10 Fahrzeugen verzichten. Diese wurden fein säuberlich zerlegt in Einzelteilen an diejenigen verteilt, die vergaßen, ein Mitbringsel aus der Landeshauptstadt für ihre Liebsten zu besorgen. Sehen wir hier ein verunglücktes Einsatzfahrzeug.

wackelig auf den beinen

Abschließend bleibt mir nurnoch zu sagen:

Zieht den Stock ausm Arsch, wir woll‘n kein‘ Trauermarsch!

edit: Da sich ja einige Menschen hier sehr über den antideutsche antifa e.v. ärgern, haben wir vom Mossad den Tipp bekommen, euch den Spruch mit Gucci und Prada zu erläutern.

Dresden Calling

„Der 13.Februar ist in Dresden jedes Jahr ein Tag, an dem die komplette Innenstadt lahm gelegt wird. Angefangen haben damit 1945 die US-amerikanischen und britischen Kampfflugzeuge […]“

So steht es in der aktuellen Jungle World. Auch wir werden am Wochenende einen Ausflug nach Dresden veranstalten. Freitag werden wir den elektronischen Sounds von Frittenbude und Egotronic lauschen. Freitagabend wird dann noch ein stiller Trauermarsch der Geschichtsrevisionist_innen stattfinden. Am Samstag werden wir versuchen den Naziaufgroßaufmarsch zu verhindern. Circa 6000 + X Nazis aus ganz Europa werden erwartet. Wir hoffen, dass die Anzahl der Gegendemonstrant_innen mindestens genauso hoch sein wird, um den Nazis effektiven Widerstand entgegenzusetzen. Einen Aufruf findet ihr bei Venceremos, welchen wir auch unterstützen.

Zur Freude der Allgemeinheit sind unsere Sticker diese Woche rechtzeitig aus dem Druck gekommen.

Dates und Fakts zum 13./14. Februar 2009
13.Februar 2009 Kundgebung und Konzert
17:00 Uhr // Altmarktgalerie // Dr.-Külz-Ring
live+umsonst+draußen: Egotronic und Frittenbude

14.Februar 2009 Kundgebung
12:00 Uhr // Altmarktgalerie // Dr. -Külz-Ring

Treffpunkte der Nazis:
13.Februar 2009 Treffpunkt der Nazis
18:00 Uhr // Am Zwingerteich

14.Februar 2009 Start der Nazidemo
12:00 Uhr // Am Zwingerteich

Erfahrungsgemäß laufen die Nazis frühestens 1 Stunde nach Treff los.

Wichtige Telefonummern:
Ermittlungsausschuss (EA): 0351 – 89 960 456

Der Ermittlungsausschuß wird von Antifaschist_innen betreut, die Festnahmen registieren und sich um anwaltliche Unterstützung bemühen. Ruft bitte den EA an, wenn ihr selbst festgenommen werdet, oder Festnahmen beobachtet.

Infotelefon: 0351/3233660 und 0351/3233659

Verfassungsschutz und Antideutsche

Wir als Gruppe lesen ja für unser Leben gern Verfassungsschutzberichte. Auch erfreuen wir uns an den stetigen Bemühungen der Apfelfront, in diese aufgenommen zu werden.
Doch ein Interview mit dem NRW-Verfassungsschutz-Chef Hartwig Möller lies uns doch einige Male stutzen, lächeln, weinen, gegen Türen rennen, hyperventilieren, nochmal weinen, lauthals lachen und vor Verwirrung den Text nochmal lesen.
Letztendlich entschlossen wir uns jedoch, dass dieser Text der breiten Öffentlichkeit, näher gesagt, unseren treuen Fans wie Feinden, nicht vorzuenthalten.

So wurden wir über antiimperialistische Denkensweisen dieser extremistischen Strömungen aufgeklärt:

[…] handelt sich um eine eindeutig linksextreme, antifaschistische und antiimperialistische Bewegung, die allerdings in der linken Szene eine Minderheit darstellt. Sie unterscheidet sich in einem wesentlichen Punkt von der Mehrheit: Im Mittelpunkt des politischen Bestrebens der Antideutschen steht die bedingungslose Unterstützung des Staates Israel und damit auch dessen Schutzmacht USA. […]

Endlich wissen wir, dass wir nicht die Einzigen sind im großen Berlin:

Aufgrund fehlender klarer Strukturen dieser Szene, lassen sie genaue Angaben zu „Zahlen“ nicht machen. Die beiden Schwerpunktregionen in Deutschland sind Berlin und Nordrhein-Westfalen. Berlin spricht von 200 bis 250 Leuten. Bei uns [NRW] sind es sicherlich mehr als 100, möglicherweise auch bis zu 200.

In Mathe war der Herr wohl nie so gut. Gottseidank nimmt der Staat solche Menschen ja gerne unter die Fittiche:

Die Antideutschen bilden damit zwar eine eindeutige Minderheit in der Szene, stellen bei Demonstrationen aber durchaus eine beachtliche und wahrnehmbare Größenordnung dar.

Unterwanderungsstrategien:

Antideutsche veranstalten keine eigenen Kundgebungen, sondern stellen sich in andere Demonstrationen rein und versuchen, diese umzufunktionieren.

Antideutsche sind häufig auffällig geworden in gewalttätigen Demonstrationen und als Auslöser von Krawallen innerhalb der linken Szene.

(via)

Blockade Illegal

Ein wirklich sehr schöner Film über die antifaschistischen Aktivitäten rund um den Naziaufmarsch am 6.Dezember 2008 in Berlin-Lichtenberg. Wir waren damals natürlich auch vor Ort. Die Emotionen von damals kommen wieder spürbar hoch, wenn mensch den Film sieht (zumindest erging es mir so) . Besonders gelungen an diesem Film: die Polizeigewalt wurde vorbildlich dokumentiert, auch wenn es an diesem Tag Bullen gab, welche noch viel mehr aggro waren als im Film dargestellt.

Stay rude, stay rebel! Naziaufmärsche sabotieren.blockieren.verhindern. immer und überall!